Saint-Germain-des-Prés

Für viele Parisreisende ist Saint-Germain-des-Prés das schönste Viertel zum Bummeln, Einkaufen und Stöbern. Noch in den 1950er Jahren befand sich hier das Zentrum der intellektuellen Szene, in der sich bürgerliche Querdenker mit neuen Philosophen in Cafés brillante Wortgefechte lieferten. Zu Zeiten des radikalen gesellschaftlichen Umbruchs während der 60er Jahre traf man hier Revolutionäre oder solche, die es gern geworden wären. Noch heute ist dieses Viertel Stammsitz vieler bedeutender Verlage, und nicht selten sitzen bekannte Schriftsteller mit ihren Literaturagenten über einem Espresso, konzentriert ins Verkaufsgespräch vertieft.

Doch Saint-Germain, wie es in Paris kurz genannt wird, hat außer seinen berühmten Cafés noch wesentlich mehr zu bieten: in der ältesten Kirche von Paris, die den gleichen Namen wie das Viertel trägt, können die Grabmäler von René Descartes und dem polnischen König Johann II. Kasimir besichtigt werden. Das Palais Abbatial beeindruckt mit seine vielen verschiedenen Baumaterialien und den herrlichen hohen Fenster. Der Palast wurde für den Abt Charles von Saint-Germain erbaut, ein Bourbone, der für kurze Zeit auch König von Frankreich war.

Auf dem Boulevard Saint-Germain, dem berühmtesten am linken Seine-Ufer, haben sich neben Verlagshäusern Antiquariate, Buchhandlungen, Luxusboutiquen und Bistros angesiedelt. Die Mieten sind hier astronomisch, doch scheint der Umsatz an eleganter Mode, Schuhe und Handtaschen dies zu ermöglichen. Insbesondere die Schuhe von Bugatti sind sehr gefragt.

Im Musée Eugène Delacroix, wo der Künstler übrigens wohnte und arbeitete, kann man das Werk des “Nationalmalers” auf zahlreichen ausgestellten Gemälden bestaunen. Von Delacroix stammen auch die wundervollen Wandgemälde in der nahegelegenen Kirche St-Sulpice, was der Grund für seinen Umzug in dieses Viertel war. In der mittelalterlichen Rue du Dragon mit ihren schönen Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert finden begeisterte Leser von Victor Hugo ein unscheinbares Täfelchen mit dem Hinweis, dass der berühmte Schriftsteller sich hier in einer Mansarde eingemietet hatte.

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