Paris im zentralistischen Staat
Der Begriff “Zentralismus” lässt sich auf verschiedene Bereiche anwenden, doch der Grundgedanke bezeichnet eine zentral organisierte Raumordnung. Wenn man vom zentralistischen System spricht, so wird meist Frankreich als Paradebeispiel herangezogen, da sich die Wurzeln des zentralistischen Gedankenguts und dessen Prinzipien weit in die Geschichte Frankreichs über das “Ancien Regime” über die “Französische Revolution” und über die “Restauration” bis heute verfolgen lassen.
Die Hauptstadt Paris war und ist bis heute das “Zentrum” des Staates, was sich unter anderen an der Infrastruktur, keine Stadt in Frankreich ist auf so viele Arten und Wege zu erreichen wie Paris, oder an der Wirtschaft, zu belegen an der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der wichtigsten Unternehmen Frankreichs ihren Hauptsitz in Paris haben, und an der Bevölkerungsdichte rund um die Stadt (ca. 20% auf 2,2% der Gesamtfläche des französischen Staatsgebiets), zeigen lässt.

Politisches Ziel der französischen Regierung war ein Auseinanderdriften des Staates zu verhindern, da sich Frankreich als “Einheitsstaat” sieht, was zur Folge hat, dass alle Kommunen und Départements keinerlei Autonomierechte besitzen und auch die Forderungen danach auf Ablehnung stießen, so dass die Kommunen und Départements politisch “tot“ waren. Der “Präfekt“, der die Départements leitete, wurde von Paris eingesetzt und war somit der Statthalter der Regierung. Diese strikt hierarchischen, zentralistischen Systeme führten in Frankreich zur Erstarrung: lange, unübersichtliche Verwaltungswege und ineffiziente Entscheidungsstrukturen standen an der Tagesordnung. Erst im Jahre 1982 brachte der Minister Gaston Deferre ein Grundgesetz in das Parlament ein, in dessen Mittelpunkt die “Dezentralisierung” Frankreichs stand. Das Gesetz wurde angenommen, was einige Änderungen in der zentralistischen Struktur bewirkte:
Der Status der Regionen änderte sich, ihnen wurden größere Verantwortungs- und Verwaltungsbereiche zugeteilt, größtenteils auf den ökonomischen Bereich fokussiert, was den Départements einen selbstständigen Status verleiht. Des Weiteren wird der Rat in den verschiedenen Regionen nun allgemein und direkt gewählt, einer von ihnen wird durch die Wahl innerhalb des Rates zum Regionalpräsidenten gewählt. Dem Präfekt fällt seitdem nur noch die Aufgabe zu Beschlüsse, die ihm rechtswidrig oder unzweckmäßig erscheinen, dem Verwaltungsgericht vorzuführen. Trotz allem hat die Zentralinstanz nur wenige politische Bereiche aus der Hand gegeben.