Ile St-Louis

Über die Fußgängerbrücke Pont St-Louis gelangt man auf die kleinere der beiden Seine-Inseln im Zentrum der Metropole. Ihren Namen erhielt die ruhige und beschauliche Insel von König Ludwig dem Heiligen, der 1290 auf einem Kreuzzug vor Tunis starb. Bis 1614 existierten an dieser Stelle zwei unbebaute Inseln, die Île aux Vaches (Kuhinsel), die aus morastigem Weideland bestand und die Île Notre-Dame. Auf Anordnung von Kardinal Richelieu wurden die beiden Inseln durch Erdaufschüttungen miteinander verbunden und von Adligen und reichen Bürgern mit vornehmen und luxuriösen Stadtpalästen bebaut. Besonders gelungene Bauten, die noch aus dieser Gründerzeit stammen, sind das Hôtel de Lauzun, das als prächtigste Residenz auf der Insel genannt werden kann und das Hôtel Lambert, in dem die berühmte Schauspielerin Michèle Morgan für kurze Zeit gewohnt hat. Ebenfalls ein Meisterwerk barocker Architektur ist die nach Plänen von Louis le Vau erbaute Kirche St-Louis-en-l'Île, deren Inneres verschwenderisch mit Marmor und Vergoldungen ausgestattet wurde.

Auf der Île St-Louis fühlten sich nicht nur adelige Familien und reiche Händler, welche von den berühmten Hotels in Frankreich auf dieser Insel angezogen werden wohl, auch Dichter wie Théophile Gautier, Charles Baudelaire, Paul Claudel und Emile Zola wählten die Insel zu ihrem Domizil. Voltaire, Jean-Jacques Rousseau und später Georges Pompidou machten deutlich, dass auch Philosophen und Staatsmänner eine ansprechende Wohnumgebung durchaus zu schätzen wussten.
Heute ist die Île St-Louis ein Geheimtipp zum gemütlichen Bummel entlang der Rue Saint-Louis-en-l'Île, der Hauptstraße der Insel, die mit kleinen Hotels, hübschen Läden, gemütlichen Restaurants und eleganten Teesalons einen angenehmen Kontrapunkt zu dem mondänen und lauten Treiben der Nachbarinsel darstellt. Ein absolutes Muss ist der Besuch der Eisdiele Berthillon, vor der stets eine lange Schlange geduldiger Kunden wartet, die in den Genuss der täglich wechselnden Eissorten kommen wollen.