Boulevards
Am deutlichsten erkennt man es auf einem Stadtplan von Paris: die Stadt wuchs von der Mitte heraus und vergrößerte sich stets ringförmig in alle Richtungen. Dieser Expansionsdrang der Metropole wurde stets von einem um die Stadt herum verlaufenden Boulevardring begrenzt, der das Wachstum von Paris wie Jahresringe eines Baumes kennzeichnet. Insgesamt können die breiten Prachtstraßen in drei Ringe aufgeteilt werden: der erste Ring verläuft auf der im 14. Jahrhundert erbauten Stadtmauer u.a. mit den Boulevards Beaumarchais, Saint-Martin, Saint-Denis, Montmartre und de la Madeleine, um nur einige davon zu nennen.
Der zweite Ring begrenzte Paris mit den Boulevards Rochechouart, de Clichy, de Courcelles, de Grenelle, du Montparnasse und de Charonne. Den dritten Ring bildet der sogenannte Boulevard Périphérique Intérieur, dessen einzelne Straßenabschnitte ausschließlich die Namen verdienter (?) Generäle und Marschälle tragen. Den zumindest bis heute letzten Ring, der kaum als Boulevard bezeichnet werden kann, zieht die Boulevard Périphérique Extérieur genannte Stadtautobahn um Paris.

Neben ihrer Funktion als Verkehrsadern waren die Grands Boulevards zu allen Zeiten beliebte Schauplätze zum Promenieren und Flanieren. Sehen und gesehen werden, lautete auch in Paris die Devise der Theater- und Restaurantbesucher. Übrigens stammen auch die Begriffe “Boulevard-Zeitung” und “Boulevard-Theater” von der lauten und stets mit Spektakel und Sensationen verbundenen Atmosphäre auf diesen zu allen Tageszeiten belebten Straßen.
Eleganz und mondäne Geschäfte findet man auf den Boulevards im Westen von Paris; im östlichen Bereich der Stadt trifft man dagegen eher das alltägliche Erscheinungsbild dieser ansonsten ungewöhnlichen Metropole an.